Brüder im Wahn

In Russland wurde der Wahlsieg Donald Trumps von vielen positiv aufgenommen. Doch einige Ökonomen bleiben zurückhaltend.

Russische Wähler hätten für Donald Trump gestimmt. In den vergangenen Monaten wurde in Russland mehr Wahlkampf für den zukünftigen US-Präsidenten betrieben, als es für Politiker des Landes üblich ist, und in der Staatsduma sorgte die Nachricht von Hillary Clintons Niederlage für lauten Applaus. Trump zog Sympathien auf sich, weil er in Aussicht stellte, die Frage nach einer internationalen Anerkennung der Krim-Annexion durch Russland aufzuwerfen und die Aussetzung der Wirtschaftssanktionen voranzutreiben.

Obwohl Trump nicht die Stimmenmehrheit erhalten hatte, hinderte das die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, nicht daran, sich darüber zu freuen, dass sich Prognosen für eine Stimmenmehrheit zugunsten von Clinton als Bluff erwiesen hätten. »Westliche Medien, die Könige des Mainstreams, sind immer noch nicht in der Lage einzugestehen, dass sie schlechte Experten sind«, schrieb Sacharowa auf ihrer Facebook-Seite. »Fehlende Objektivität« sei der alleinige Grund für das Scheitern, stellte Sacharowa fest, stimmte schließlich aber versöhnlichere Töne an. Eine harte Landung sei noch keine Katastrophe, es sei jedoch an der Zeit, sich auf die eigenen Länder und die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung zu konzentrieren.

Im Westen hat Russland kein gutes Image, auch wenn dessen Regierung Überlegenheit ausstrahlen will. Ökonomisch kann das Land zwar nicht von Trumps Wahlsieg profitieren, politischen Vorteil schlägt der Kreml aus seiner Haltung zu Trump aber allemal. Der russische Wirtschaftsminister Aleksej Uljukajew nährt Hoffnungen auf ein Ende der Wirtschaftssanktionen, dem schloss sich auch die Sberbank an, die zudem ein Ansteigen der Ölpreise als direkte Folge des Ausgangs der US-Präsidentschaftswahlen nicht ausschließen will. Ein leichter Anstieg der russischen Börsenwerte schien zunächst den Stimmen Recht zu geben, die sich eine positive Dynamik von Trumps Wahlsieg versprechen.

Wirtschaftsexperten nichtstaatlicher Banken und Institutionen äußerten sich wesentlich verhaltener und warnten davor, Trumps Einfluss zu überschätzen. Erstens stünden längst nicht alle Republikaner hinter der angekündigten russlandfreundlichen Politik des designierten Präsidenten, zweitens bleibe Russlands Wirtschaft weiterhin an die Erträge aus dem Rohstoffexport geknüpft, so dass selbst bessere außenpolitische Beziehungen zwischen Russland und den USA keinen unmittelbaren Effekt auf die Wirtschaftslage hätten. Kurzfristig, so die Befürchtung, seien Turbulenzen auf den Märkten zu erwarten, was wiederum zu einem Verfall der Ölpreise und des Rubels führen würde. Bestenfalls bleibe alles beim Alten.

Vertreter des konservativen Milieus reagierten auf Trumps Sieg euphorisch bis zurückhaltend. Der von Konstantin Malofejew, einem der politisch einflussreichsten russischen Unternehmer, gegründete, propagandistische christlich-orthodoxe Fernsehsender Zargrad verkündete, mit Trumps Sieg werde die Befreiung Russlands von der globalen US-Vorherrschaft eingeleitet. Die Wähler in den USA hätten eine »echte Revolution von unten gegen das Establishment« herbeigeführt. Nikolaj Starikow, seines Zeichens Putin-Apologet und Publizist, ruft indes zur Vorsicht auf und wendet sich gegen Vorschusslorbeeren für Trump. Als willkommenes Signal für eine enge Freundschaft sähe er ein Ende der finanziellen Unterstützung der »fünften Kolonne« in Russland an. Das sei jedoch unwahrscheinlich.

ute weinmann

Jungle World

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