Kein Geld für Brandbekämpfung

Es sind verheerende Bilder, die seit Wochen über Fernsehbildschirme flimmern. Sibiriens gigantische Waldflächen brennen. Über elf Millionen Hektar Wald fielen in diesem Jahr bereits dem Feuer zum Opfer und es breitet sich unaufhörlich weiter aus. Derzeit erstrecken sich die Waldbrände auf ein Gebiet von etwa drei Millionen Hektar. Besonders betroffen sind die Regionen um Irkutsk, Krasnojarsk, Chabarowsk, Jakutien, Burjatien, die Gegend um Magadan und selbst das fernöstliche Kamtschatka.

In vier Regionen wurde inzwischen der Notstand ausgerufen — viel zu spät, nach Meinung von Experten. Rauchschwaden ziehen bis nach Kasachstan und über den Ural in den europäischen Teil Russlands. Bei Hochwetterlage könnten sie sogar Moskau erreichen. Es wäre nicht das erste Mal, doch so dramatische Ausmaße wie jetzt hatten die Brände bislang noch nicht erreicht.

Ende Juli wurde zur Bekämpfung der Waldbrände auch das Militär hinzugezogen. Lange Zeit zuvor unternahmen die zuständigen Stellen jedoch gar nichts, obwohl eine frühzeitige Lokalisierung von Brandherden deren Ausbreitung verhindern könnte. Die lokalen Behörden reden sich damit heraus, dass es wirtschaftlich unsinnig sei, Waldbrände zu löschen. «Es handelt sich schließlich um eine gewöhnliche Naturerscheinung, gegen die anzukämpfen sinnlos ist, stellenweise vielleicht sogar schädlich», erklärte der Gouverneur des Krasnodarer Gebiets, Alexander Uss.

Oftmals fehlen für eine teure Brandbekämpfung vor Ort schlicht die notwendigen Finanzmittel, zumal die Moskauer Regierung die Regionen in der alleinigen Verantwortung sieht. Legitime Grundlagen für untätiges Abwarten liefern indes seit 2015 gültige gesetzliche Regelungen, die den Regionalregierungen freistellen abzuwägen, ob der zu erwartende Schaden unter den Kosten für Löscheinsätze liegt und diese gegebenenfalls gar nicht erst anzuordnen. Vorausgesetzt, das Feuer stellt keine Bedrohung für die Bevölkerung dar. Dann gilt nur die Verpflichtung zur Beobachtung per Satellit. Allerdings muss es sich dabei um sogenannte Kontrollzonen handeln, die nicht bewohnt sein dürfen. Die Realität sind anders aus. In Schadensberechnungen fließen überdies weder medizinische Folgekosten für durch vom Feuer freigesetzte Giftstoffe Betroffene ein, noch langfristig unwiderrufliche ökologische Auswirkungen und damit verbundenen Folgekosten. Nun strebt das Umweltministerium aus der Not heraus zwar eine Neufestlegung der ausgiebig bemessenen Kontrollzonen an, grundsätzliche Änderungen an der gängigen Praxis sind allerdings nicht zu erwarten.

Die russische Sektion der Umweltorganisation Greenpeace weist beharrlich auf strukturelle Mängel der geltenden Forstgesetzgebung hin. Vor mittlerweile über zehn Jahren traten Änderungen in Kraft, die de facto die Auflösung der Forstaufsicht zur Folge hatten und beste Voraussetzungen für intensiven Raubbau schufen. Korruption und Misswirtschaft prägen die Branche, Abholzung und Aufforsten bilden keine sich ergänzende planerische Einheit. Naturschützer Konstantin Kobjakow vom World Wide Fund for Nature konstatiert jetzt schon einen rückläufigen Waldbestand. Anstelle struktureller Gegenmaßnahmen zu ergreifen kommt nun der Polizeiapparat zum Zug, um wegen gezielter Brandstiftung zur Vertuschung der Folgen von illegalem Kahlschlag zu ermitteln. Wladimir Burmatow, Vorsitzender des Parlamentsausschusses für Umweltschutz, verwies in dem Zusammenhang auf Auffälligkeiten, wonach sich das Feuer an etlichen Stellen, wo aufgeschichtetes Brennholz lag, gleichzeitig entfacht habe.

ute weinmann

nd/Pressreader

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