Innere Mobilmachung. In Russland sieht man sich als Opfer des Westens

Anders als alle bisherigen Kriegshandlungen auf postsowjetischem Terrain geriet die fünftägige mit militärischen Mitteln ausgefochtene Auseinandersetzung um die kleine separatistische Kaukasusrepublik Südossetien zur internationalen Krise mit weitreichenden Folgen für das Machtgefüge in der gesamten Kaukasusregion. Dabei kann aus russischer Perspektive keine Rede von einem bewaffneten Konflikt mit Georgien sein. Und das, obwohl russische Truppen ihre Präsenz nicht nur auf die Gebiete beschränkten, deren Bewohner sich seit dem Zerfall der Sowjetunion einer Eingliederung in georgisches Staatsgebiet verweigern. Der internationalen Komponente hinsichtlich der jüngsten militärischen Auseinandersetzungen wird in Russland höchstens insofern Rechnung getragen, als dass die USA in der öffentlichen Meinung zurück in ihre Rolle als vormaliger Hauptfeind aus den Zeiten des Kalten Krieges schlüpft, was in eine erneute russisch-amerikanische Konfrontation mündet. Читать далее

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Die Tataren kommen

Durch die Anerkennung der Unabhängigkeit Südossetiens und Abchasiens hat die russische Regierung separatistische Bestrebungen im eigenen Land ermutigt.

Eine Rückkehr der Goldenen Horde muss die russische Regierung nicht befürchten, die heutigen Tataren haben bescheidenere Ziele. Doch viele von ihnen sind der Ansicht, dass nun die Reihe an ihnen sei, einen eigenen Staat zu gründen. Ermutigt von der jüngst erfolgten Anerkennung der staatlichen Unabhängigkeit Südossetiens und Abchasiens meldete sich das »Alltatarische gemein­schaftliche Zentrum«, eine Vereinigung nationalistischer Organisationen, in einem Brief zu Wort und drückte die Hoffnung aus, die derzeit zur russischen Föderation gehörende Repu­blik Tatarstan könne diesem Beispiel folgen. »Russland verfügt von nun an nicht mehr über das mo­ralische Recht, uns die Unabhängigkeit zu verweigern«, erklärte Raschit Achmetow, Chefredakteur einer Oppositionszeitung aus Tatarstans Hauptstadt Kasan. Читать далее

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Groß und stark bleiben

Russischen Nationalisten scheint es im Kaukasus am allerwenigsten um Süd­ossetien zu gehen. So mancher von ihnen glaubt, den Kalten Krieg noch gewinnen zu können.

»Georgischer Blitzkrieg« unterschrieb die russische nationalistische Wochenzeitung Zavtra eine Karikatur des georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili. Der im Sprachgebrauch russischer Nationalisten kurz und knapp zum »Volksfeind« abgestempelte Saakaschwili rennt in Armeestiefeln »Made in USA« mit übergroßem Kopf und kleinen Muskeln vor russischen Raketen auf und davon. Mit dieser Karikatur soll ohne Zweifel auch der russische Sieg über Deutschland im Zwei­ten Weltkrieg assoziiert werden. Nach 60 Jahren fühlt sich Russland endlich wieder einmal groß und stark, und Nationalisten jeglicher Couleur gefallen sich in ihren Weltmachtsphantasien so gut wie schon lange nicht mehr. Читать далее

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Grenzen, Gräber und Granaten

Der georgisch-russische Konflikt um Südossetien ist eskaliert, doch eine militärische Lösung gibt es nicht.

Kurz vor dem offiziellen Beginn der Olympischen Spiele in Beijing begann ein neuer Krieg im Kaukasus. Schon seit Monaten war es zwischen Geor­gien und der sezessionistischen Teilrepublik Süd­ossetien wiederholt zu militärischen Konflikten gekommen, seit Anfang August sorgte ein intensiver Schusswechsel für zunehmende Spannungen. In der Nacht zum Freitag voriger Woche gab die georgische Führung ihre Absicht bekannt, die »verfassungsmäßige Ordnung wieder herzustellen«. Es folgte ein Großangriff auf Tschinwali, die Hauptstadt von Südossetien. Hunderte von Zivilisten verloren unter Artilleriebeschuss ihr Leben, die südossetische Führung spricht von mehreren tausend Toten. Mehr als 30 000 Menschen flüch­teten über die russische Grenze. Einen Tag später eröffnete Abchasien, die zweite abtrünnige Republik, eine weitere Front gegen Georgien. Читать далее

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Die Kicker aus Grozny

Seit vier Jahren spielt der tschetschenische Fußballverein Terek Grozny in der rus­sischen ersten Liga – nicht zur Freude ­aller gegnerischen Fans.

Fußball ist dafür prädestiniert, Raum für Konflikte anderer als spielerischer Art zu bieten. Beim letzten Premier-Liga-Spiel des tschetschenischen Fußballclubs Terek gegen den FK Moskwa fiel zwar kein einziges Tor, dafür machten Moskauer Fans kräftig Stimmung gegen die Gäste aus dem Kaukasus. Es begann mit einem relativ harmlosen »Vperjod, Jermolow!« – »Vorwärts, Jermolow!« Gemeint ist der in Russland gemeinhin als Eroberer Tschetscheniens unter dem Zaren Nikolaj I. gefeierte General Jermolow. Читать далее

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Kosaken und Kapuzenpullis

In St. Petersburg protestieren Anwohner gegen illegale Bauvorhaben und die allgemeine Umstrukturierung der Stadt. Kann sich aus einer Bürgerbewegung, die vor allem ihre lokalen Interessen verteidigt, sozialer Protest entwickeln? Russische Anarchisten und Antifaschisten machen sich da ein wenig Hoffnungen.

Für den Freitagabend kurz vor der Sommersonnenwende ist auf dem Platz der U-Boot-Matrosen in St. Petersburg eine Vollversammlung vorgesehen. Seit Wochenbeginn halten Anwohner hier rund um die Uhr Wache. Sie sind auf alles gefasst. Auf der Grünfläche ihres Wohnviertels mit der technokratischen Bezeichnung Poljustrowo Quar­tal 43 sollen zwei Elitewohnhäuser entstehen. Als Investor tritt niemand Geringeres in Erscheinung als der Inlandsgeheimdienst FSB in Petersburg und im Leningrader Gebiet. Die ausführende Baufirma Strojkompleks XXI verspricht, die Wohnhäuser seien bereits im Dezember 2009 be­zugsfertig. Читать далее

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Пираты Эдельвейса — сопротивление молодёжи при нацистской диктатуре

Не является секретом то обстоятельство, что любое государство оставляет за собой право определения своих национальных героев. В то же время те, кто не совсем соответствует идеологическим установкам, приведшим к назначению героем того или иного исторического персонажа, но ничуть менее заслуживают внимания за свои достойные действия, никак не добиваются ни общественного признания, ни хотя бы упоминания в школьных учебниках. И хотя этот механизм укреплен многовековой практикой и, соответственно, ни у кого не должен вызывать никакого недоумения, за каждую отдельную обречённую на забвение судьбу становится настолько обидно, что мгновенно возникает желание немедленно восстановить её место в человеческой исторической памяти. Читать далее

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Wölfisches Zähneklappern

Pläne des Westens, die Olympischen Spiele in China zu boykottieren, stoßen in Russland auf Unverständnis – die Freundschaft zum östlichen Nachbarn ist wieder so intakt wie zuletzt in den Fünfzigern.

Die Kritik an der chinesischen Politik ist vor den olympischen Sommerspielen in Peking bis zur Erdbebenkatastrophe sehr hart gewesen – allerdings kam sie nur aus der so genannten westlichen Welt. Von den nördlichen Nachbarn kamen keine Vorwürfe und Forderungen, nach vielen spannungsreichen Jahren sind Russen und Chinesen heute wieder Brüder für alle Zeiten, so wie in den guten alten fünfziger Jahren. Umfragen zufolge sehen die Russen China derzeit als das Land, das ihnen am nächsten steht, noch deutlich vor Deutschland und dem westlichen Nachbarn Belarus. Vor zwei Jahren sah das noch ganz anders aus. Da nahm China hinter den USA noch einen der Spitzenplätze unter den Russland angeblich feindlich gesinnten Staaten ein. Читать далее

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Umzug ins Weiße Haus

Der Personalwechsel in der russischen Führung ist vollzogen. Nun rätseln Russen und Ausländer darüber, wie das neue Spitzenduo die Macht aufteilen wird.

Mit der pompösen Militärparade auf dem Roten Platz am 9. Mai anlässlich des 63. Jahrestags des Sieges über Deutschland betrat der Zivilist Dmitrij Medwedjew ganz neues Terrain. Schließlich folgte er der feierlichen Darbietung modernster Militärtechnik erstmals in der Eigenschaft als Oberkommandierender der russischen Streitkräfte. Erst zwei Tage zuvor hatte er das Amt des Präsidenten angetreten. Damit ist der 42jährige auf dem Höhepunkt seiner Karriere angelangt. Von nun an gilt es, die Stellung so lange wie möglich zu halten.

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Schicht im Schacht

Immer mehr russische Lohnabhängige weh­ren sich gegen niedrige Löhne und schlech­te Arbeitsbedingungen. Die meisten Streiks sind illegal.

Glücklich sind die Russen nicht. Im europäischen Vergleich liegt das Maß an Zufriedenheit der russischen Bevölkerung mit den Arbeits- und Lebensverhältnissen am untersten Ende der Skala. Nur die Bulgaren sind noch schlechter dran. Dies jedenfalls besagen die Ergebnisse einer im Frühjahr veröffentlichten soziologischen Vergleichsstudie. Читать далее

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